Ein Bildungszentrum auf Haiti gebaut 01.01.2010

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  • Was ist geplant?

16.01.2014
Ein "davor" hat immer auch ein "danach"

Port-au-Prince, 14.1.2014. Die Erdbebenkatastrophe in Haiti ist uns allen noch sehr präsent: Große Zerstörung, unwirkliche Trümmerhaufen, viele Opfer, vielfältige Notsituationen, schwierige Bedingungen für den Wiederaufbau. Eigentlich möchte man solche Bilder schnellstmöglich vergessen. Doch gerade jetzt, im Angesicht der ähnlich katastrophalen Lage auf den Philippinen nach dem Taifun Haiyan, ist es wichtig, dass wir uns erinnern und eben nicht vergessen. Am vergangenen Sonntag jährte sich das Erdbeben zum vierten Mal. Wie sieht es vor Ort aus? Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Lage in unserem Bildungszentrum auf Haiti.
 
Vier Jahr nach dem Erdbeben laufen Schul- und Internatsbetrieb des Bildungszentrum „Johannes-Paul II.“ nahe der Stadt Jacmel fast reibungslos. Mehr und mehr junge Menschen entscheiden sich nach der Grundschule eine Ausbildung zu machen, da sie die Verdienstmöglichkeiten im Handwerk sehen und manuelle Arbeit wieder mehr wertgeschätzt wird. Unter den LehrerInnen lässt sich eine kollegialere, kooperative Stimmung ausmachen.

Doch es gibt auch neue Herausforderungen: mehr Schüler bedeuten mehr Lehrer - das heißt mehr Gehälter, mehr Mittagessen, mehr Material. Darum müssen sich die Mitarbeiter vor Ort kümmern. Sie bringen das Geld auf und übernehmen die Organisation, denn der Staat kann weder LehrerInnen bezahlen, noch Sorge für die materielle Infrastruktur tragen. Die Schäden der Überschwemmung auf dem Schulhof des Bildungszentrum sind beseitigt, neue Wege und Anpflanzungen gesetzt.  


13.10.2013
Das "neue-alte" Leben in Haiti

2010: Die Stadt Port- au-Prince ist schwer vom Erdbeben getroffen, Schutt und Trümmer liegen überall herum, die Menschen leben in Zelten oder auf der Straße. Wer heutzutage zum ersten Mal durch Port-au-Prince fährt, glaubt kaum, dass hier schon viel wieder aufgebaut wurde. Immer noch ist Port-au-Prince eine Stadt mit maroder Infrastruktur, Bergen von Müll neben Schutthaufen und deutlich spürbarer Armut.

2014: Viele der Menschen leben immer noch in ärmlichen Bretterbuden, maroden Wellblechhütten oder schlafen auf der Straße. Und dieses „danach“ hatte das gleiche „davor“. So erschütternd wie es leider ist: Auch vor dem Beben lebten die meisten Menschen in großer Armut.  



01.06.2012
Mèsi poutèt ou ak yon lavi bèl

Beate Graving, Mitarbeiterin von "Caritas International" besuchte das Bildungszentrum "Papst Johannes Paul II." nahe dem Ort Jacmel auf der Insel Haiti. Der Geböudekomplex mit angeschlossenem Waisenhaus ist in den vergangenen zwei Jahren mit Spenden des Vereins "Helfen verbindet Menschen e.V." gebaut worden. 

Graving befand sich auf einer Reise quer durch Haiti, um sich für "Caritas International" ein Bild von der Gesamtlage auf Haiti zu machen. Das Bildungszentrum sei eines der wenigen positiven Beispiele in der Aufbauarbeit auf der Insel, liess sie begeistert in einem Telefonat direkt von der Insel wissen. Rund um den Gebäudekomplex wären noch überall die Spuren des Erdbebens zu sehen. Nur wenige Projekte seien so umgesetzt worden, wie es kurz nach dem Erdbeben von vielen Organisationen versprochen worden war. Beate Graving befand sich auf dem Weg in die Stadt Leogane, in der "Caritas International" ein Altenheim wiederaufgebaut hat. Sie versprach den Kontakt zu Caritasmitarbeiter Mahamadou Issoufou-Wasmeier herzustellen, der für die Arbeit der Caritas auf Haiti verantwortlich zeichnet. Ihr sei klar, dass es nun gilt, den laufenden Betrieb im Bildungszentrum "Johannes Paul II." aufrecht zu erhalten. 

Die Hintergrundgeräusche während des Telefonates bewiesen, dass der Betrieb bereits auf vollen Touren läuft. Fröhliche Stimmen waren zu hören und der 14-jährige Haitianer Stevenson liess es sich nicht nehmen, gleich einen Gruß nach Deutschland zu schicken: "Mèsi poutèt ou ak yon lavi bèl!". Was wohl übersetzt so viel heißt wie: "Vielen Dank für ein schönes Leben!" Beate Graving versprach abschließend, man wolle in Kontakt bleiben. Stevenson versprach im Hintergrund, gleich einmal nachzuschauen, wo Deutschland denn eigentlich liege.


27.11.2011
Helfen verbindet Menschen finanziert den Bau eines Bildungszentrums auf Haiti

Die erste Überweisung eines Betrages von 70.000 Euro für den Kauf eines Grundstückes nahe der Stadt Jacmel auf der Insel Haiti war der Grundstein der Hilfe von „Helfen verbindet Menschen e.V.“ nach dem Erdbeben. Derzeit wird der Bau eines neuen Waisenhauses in Angriff genommen, das nach seiner Fertigstellung für 120 Kinder und Jugendliche Platz bieten wird.

Die ersten Anmeldungen für das integrierte Förderungs- und Bildungsprogramm (Kunst, Musik, Tanz, Nachhilfe, Kultur) erfolgten bereits. Es werden insgesamt 100 Plätze für Jugendliche im Alter von 15 bis 21 Jahren vergeben, über 400 junge Bewerber kamen bereits am ersten Tag. Nach dem zweiten Tag wurden 689 Anmeldeformulare gezählt. Vorrangig gibt es eine Förderung für besonders bedürftige Bewerber, Mädchen und junge Frauen.  

Zwei von drei drei Häusern des Internat- und Bildungszentrums in Jacmel auf der Insel Haiti sind bereits fertig .Für die ersten Bildungsprogramme stehen schon 20 Tische und 80 Stühle zur Verfügung. An den Schlafräumen des Internats sowie an der Küche und den Speiseräumen wird noch mit Hochdruck gearbeitet.

Der Verein will die Gesamtkosten dieser Baumaßnahme von über 300.000 Euro nach und nach tragen. Erstmals erhielt der Verein auch Spenden von Menschen außerhalb der LVM Versicherung. Unter anderem von dem gegenüberliegenden Wilhelm-Hittorf-Gymnasium und einer Grundschule aus Mettingen.

 

 

 

 

 

 

31.10.2014

Ein besonderer Erfolg kommt aus Haiti

Nur 30% der Kinder aus den nahegelegenen Provinzen von Cayes-Jacmel und Marigot,  schaffen es jedes Jahr, an staatlichen Schulen die Prüfungen zu bestehen. Im Bildungszentrum wird ein anderer Weg zum Erfolg gegangen: Dort werden die Kinder und Jugendlichen neben französisch auch in ihrer Muttersprache kreolisch unterrichtet. Die Lehrer ermöglichen durch Nachhilfeunterricht eine Vertiefung des Unterrichtsstoffes. Dadurch haben vor einer Woche 90% der Schüler das Schuljahr bestanden.


15.06.2014

Maria macht drei Tore

Das Schuljahr auf Haiti geht noch bis September, doch das hält viele Schüler nicht davon ab, die begonnene Fußballweltmeisterschaft in den Unterrichtspausen auf dem neuen Bolzplatz nachzustellen.

Erst seit knapp vier Wochen ist das Rechteck fertig und seit dem Tag der Eröffnung fast rund um die Uhr in Benutzung. LVM Helfen verbindet Menschen hatte durch eine zweckgebundene Spende vor drei Jahren den Grundstein für die Erstellung des Fußballplatzes gelegt. Nun konnte die Idee endlich umgesetzt werden.

Mehrere Mannschaften haben sich gebildet, die nun die beteiligten Länder der Fußball-WM darstellen. Die 15-jährige Maria spielt mit sechs anderen Mädchen für "Deutschland". Sie weiß zwar nicht ganz genau, wo das liegt, aber man hat ihr gesagt, dass die Deutschen bei der WM sehr gut seien und den Titel gewinnen könnten. Einen Fernseher hat ihre Familie nicht und so erfährt sie die Ergbnisse durch Verwandte oder Nachbarn. 

Maria hat beim letzten Spiel drei Tore für Deutschland gemacht - gegen "Spanien". Deutschland steht jetzt im Finale - jedenfalls im Bildungszentrum auf Haiti.


03.04.2014

Selbstgeschneidert oder geliehen

25 junge Damen und Herren zwischen 18 und 23 Jahren konnten im Februar 2014 stolz ihre Urkunden zur Abschlussprüfung im Verwaltungsbereich entgegennehmen. Neben der Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten standen während der einjährigen Ausbildung die Stärkung von Selbstvertrauen und Hoffnung im Vordergrund. Der berufsbildende Kurs umfasste eine theoretische und praktische Ausbildung in Berufen wie Fliesenleger, Maurer, und Informatiker. Gerade im Hinterland Haitis fehlt es an Infrastruktur in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Über Kooperationen mit lokalen Firmen ist eine enge Anbindung an den Arbeitsmarkt gegeben und viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben nun die Möglichkeit, von einem Unternehmen übernommen zu werden. So helfen sie nicht nur direkt mit, Haiti wieder aufzubauen, sondern können auch die eigene Existenz sichern.  

Stolz nahmen die Absolventen ihre Zeugnisse entgegen. Viele mussten sich aus diesem festlichen Anlass ein Kleid oder einen Anzug leihen oder nähten selbst, weil die finanziellen Verhältnisse in deren Familien es nicht anders möglich machte. Die Freude über den Erfolg war, wie Sie auf den Fotos sehen können, den Absolventen anzusehen.


31.12.2013

Der Alltag auf Haiti

Das verheerende Erdbeben vom 12. Januar 2010 hat das Leben vieler Menschen in Haiti grundlegend verändert. Auch fast vier Jahre später leben Millionen Menschen und insbesondere Kinder in notdürftigen Unterkünften. Es herrschen Hunger, Gewalt, Cholera sowie Bildungslosigkeit. Die Nahrungsmittelpreise explodieren, Arbeitslosigkeit ohne Perspektive bestimmt den Alltag.

Im Jahre 2010 startete Helfen verbindet Menschen eine Hilfsaktion. Das daraus entstandene Internat- und Bildungszentrum wurde inzwischen fertiggestellt. Hier wird ca. 300 Kindern und Jugendlichen die Chance zu einem Schulabschluss gegeben. Der Schulbetrieb läuft seit gut 18 Monaten erfolgreich.  

Allerdings musste das Konzept des Bildungszentrums des Öfteren geändert werden, bis klar wurde, wie den Kindern und Jugendlichen am besten geholfen werden kann. Das Ziel war und ist es, ein nachhaltiges und zukunftsschaffendes Projekt zu gestalten sowie mit dem Schlüssel der Bildung den Teufelskreis von Armut und Perspektivlosigkeit aufzubrechen.

Dabei stellte sich jedoch heraus, dass neben dem Schwerpunkt „Bildung“ auch noch Hilfe für die „Ernährung“ der Kinder und Jugendlichen notwendig ist. Denn viele   Kinder und Jugendliche kommen hungernd ins Bildungszen­trum. Von Deutschland aus wird nun versucht, die Ernährung der betreuten Kinder zu sichern. Die Nahrungsmittelpreise sind in Haiti explodiert. Fast jeder Familienvater muss sein ganzes Einkommen (sofern er eines hat) einsetzen, um Nahrungsmittel für seine Familie zu erwerben. Ein Teufelskreis, der aufgebrochen werden muss.

Ein weiteres Problem bleibt die Kindersklaverei. Die Kindersklaven sind größtenteils Mädchen. Sie werden „Restaveks“ genannt. Die Restaveks, Waisenkinder oder Kinder aus besonders kinderreichen Familien, werden im Alter von fünf bis sieben Jahren aus den Familien genommen. Es wird ihnen versprochen, dass sie in der Stadt bessere Möglichkeiten haben und Schulbildung erhalten. Tatsächlich werden sie in Familien als Sklaven vermittelt, werden geschlagen, sind unterentwickelt, unterernährt und werden sexuell missbraucht. Niemand kümmert sich um diese Kinder. Eine grausame Tradition, die in Haiti tief verwurzelt ist.

Die Verantwortlichen im Bildungszentrum haben sich vorgenommen, die Restaveks im Internat aufzunehmen. Dies erfordert erhöhte Spendengelder, um Betreuungskräfte, Sozialarbeiter und Psychologen zu engagieren. Die Restaveks sind traumatisiert und ohne Schulbildung. Regelmäßige psychosoziale Betreuung und die gesundheitliche Versorgung müssen erbracht werden, damit die Kinder eine Perspektive bekommen.


18.10.2013

Neues Schuljahr mit neuen Lehrern und Schülern auf Haiti

Die augenblicklich wichtigste Tätigkeit im Bildungszentrum auf Haiti: Alles was mit der Vorbereitung und der Eröffnung des neuen Kollegs (Regelschule) im Projekt zu tun hat, für 50 Schülerinnen und 50 Schüler ab dem Alter von 12 Jahren zu organisieren. Die Kriterien sind nach Maßgabe der haitianischen Gesetze angelegt, ohne Diskriminierung durch Religion, Hautfarbe, sozialem Status, wobei besonderer Wert auf die Förderung der Mädchen und der besonders armen Schülerinnen und Schüler gelegt wird.

Der erste Schultag ist auf Haiti immer der erste Montag im Oktober oder der Tag, der von der haitianischen Regierung festgelegt wird. In diesem Jahr war es der 1. Oktober. Vorausgegangen waren zahlreiche Treffen mit allen Lehrern, dem Stiftungspersonal und mit einigen Lehrern der öffentlichen Universität von Jacmel (mit der eine enge Zusammenarbeit erfolgt, denn es handelt sich um ein Pilotprojekt, dass es so im Bildungssystem von Haiti noch nicht gegeben hat), um das pädagogische Konzept des Kollegs auszuarbeiten und zu konkretisieren. Dieses Projektkonzept beinhaltet ein zweiteiliges integriertes Bildungssystem, so wie es in den Stiftungszielen beschrieben wird:

Innerhalb der normalen Schulbildung kommt der Förderbereich verpflichtend für alle Schülerinnen und Schüler hinzu, wobei es um das soziale Engagement der Schülerinnen und Schüler geht. Somit werden sie mit beruflicher Kompetenz ausgestattet und gleichzeitig zu verantwortlichen Bürgern erzogen. Und mit diesem Hintergrund können die jungen Menschen ihre Rolle heute und in der Zukunft wahrnehmen, sich an der Entwicklung Haitis und der Welt zu beteiligen.

Deshalb ist es notwendig, dass diese beiden Felder in der normalen, klassischen Schule gemeinsam ausgebildet und gefördert werden. Hinzu kommt, dass die Schülerinnen und Schüler gut und gesund ernährt werden müssen, eine gute Gesundheitsfürsorge erfahren, ihre Fähigkeiten in Kultur und Sport entdecken und sozial engagierte Bürger werden.

Denn das wird aktuell in den Familien, in der Schule und in der haitianischen Gesellschaft vernachlässigt. Das ist ein “gefährlicher Mangel” in Haiti, ein Land, dass noch von seinen eigenen Einwohnern neu geplant und wiedererbaut werden muss. Es ist mit hohen Kosten verbunden, aber unabdingbar für den Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes durch das haitianische Volk.

Mit dem Start der internen Regelschule für die Schülerinnen und Schüler (im Alter ab 12 Jahren) werden insgesamt 11 neue Lehrerinnen und Lehrer das Mitarbeiterteam verstärken. Der Pfarrer vor Ort, Pastor Lesly Pardo, der Stiftungsvorsitzende, einige Professoren und Persönlichkeiten der öffentlichen Universität von Jacmel, sowie einige Ärzte werden sich mit ihren Erfahrungen und nach ihren Möglichkeiten ehrenamtlich für die Arbeit der Stiftung und konkret für die Projektaktivitäten engagieren.


 07.09.2013

Fliese ist nicht gleich Fliese

In unsrem Bildungszentrum auf Haiti gehen die großen Ferien bis zum 1. Oktober. Die Fliesenlegerschülerinnen, die zu keiner offiziellen staatlichen Prüfung mussten, haben allesamt eine Sommerarbeit bekommen und helfen auf Baustellen mit ihrer Lehrerin, Madame Charles. Natürlich interessierte uns, woher die Lehrerin kommt und was sie mit ihren Schülerinnen macht.

Madame Charles, so wie sie genannt wird, war gerade dabei, ihren Fliesenleger-Unterricht zu beenden. Wir beobachteten sie bei den letzten Arbeiten zur Prüfungsaufgabe: Ein Schriftzug am Haupteingang des Bildungszentrums. Wie sie auf den Bildern sehen können, ist diese Arbeit rundum gelungen. Madame Charles war bereit, ein Interview zu machen, direkt vor dem Schulungsgebäude und vor den Schülerinnen und Schülern. Sie war auch bereit, deren Fragen zu beantworten, bis hin zu Fragen zu ihrem Leben, zu ihrer Arbeit und zu ihrem Beruf.

Pfr. Roy: Nun sind Sie zwei Monate als Lehrerin für den Fliesenlegerberuf in der Stiftung Johannes Paul II. tätig. Was haben Sie vorher gemacht?

Mme. Charles: Ich bin Maurerin und Tischlerin von Beruf. Ich habe Gott sei Dank viele Baustellen, wo ich arbeiten konnte und arbeite auch heute noch weiter. In den letzten fünf Jahren habe ich außerdem als Berufsschullehrerin für das Tischlerhandwerk in der „Spanischen Kooperative“ in Jacmel gearbeitet und vorher bereits an der Technikerschule des Bundeslandes. Die „Spanische Kooperative“ hat ihre Aktivitäten in Haiti drastisch reduziert und legte den Kurs, den ich unterrichtete, auf den Vormittag. Vormittags konnte ich aber die Stunden nicht erteilen. Und hier in der Stiftung kann ich nun ab 15 Uhr am Nachmittag arbeiten, das ist besser für mich. Ich freue und bedanke mich für diese Möglichkeit. Für mich ist es wichtig zu unterrichten und ich kann auch immer vormittags Schülerinnen und Schüler auf Baustellen mitnehmen und/oder vermitteln. Gleichzeitig wird hier dann auch in der Praxis gelernt, was wir im Unterricht gelernt haben. Somit ist es eine gute Chance für die Schülerinnen und Schüler aber auch für mich.

Pfr. Roy: Wie haben Sie den Beruf erlernt ?

Mme. Charles: Mein Vater war auch bereits Tischler und Maurer. Zuerst habe ich von ihm gelernt, denn schon als Kind hatte ich Freude daran, ihm zu helfen. Später ging ich dann auf die Technikerschule in Port-au-Prince um mich weiterzubilden, um moderne Techniken zu erlernen und um mein Diplom machen zu können. Als ich nach hierher zurückkam, schickte mich mein Vater sehr oft alleine los, um Aufträge zu erledigen. Zunächst wollten die Kunden nicht so recht glauben, dass ich diese Arbeiten erledigen könnte. Doch mit der Zeit haben sie meine Arbeit bewundert und ich bekam mehr Anfragen als mein eigener Vater, weil sie mit meiner Arbeit sehr zufrieden waren.

Pfr. Roy: Wie ist es, als Frau in einem Beruf zu arbeiten, der traditionell stets von Männern ausgeübt wurde ?

Mme. Charles: Wichtig ist zu sagen: “wir haben alle heute alle Chancen, wenn wir fachlich kompetent arbeiten und werden natürlich auch von den Männern respektiert. Die Gesellschaft ist auch ein wenig offener geworden Die fachliche Kompetenz und die guten Ergebnisse meiner Arbeit lassen es zu, dass die Männer mich dafür bewundern. Meine Kunden, die mich auf eine Baustelle oder für eine Arbeit im Haus holen, sind in der Mehrzahl Männer. Sie sind es auch, die mich weiter empfehlen, denn es wird gefragt “wer hat denn diese Arbeit gemacht”?!

Fachliche Kompetenz und Ernsthaftigkeit sind Sachen, die ich auch im Unterricht besonders den Mädchen und jungen Frauen in der Stiftung vermitteln möchte. Und hier könnt Ihr sicher sein, bilden wir fachliche Berufskompetenz aus.


27.07.2012

Das Bildungszentrum auf Haiti ist fertig

Die neusten Bilder aus Haiti zeigen den fertigen, eingezäunten Komplex mit Waisnehaus, Schul- und Verwaltungsgebäude. Jetzt geht es an die Gestaltung der Außenflächen. In Kürze wird eine Kantine eingerichtet sein, um eine Mittagsmahlzeit für die fast 250 Schülerinnen und Schüler anbieten zu können. Hier schon die neusten Bilder, weitere Informationen folgen.


20.03.2012

Das Bildungszentrum mit Waisenhaus steht kurz vor der Vollendung.

Die Lage in der Hauptstadt Port-au-Prince ist auch ein Jahr nach dem schweren Beben noch katastrophal. Überall versuchen die Menschen etwas zu verkaufen. Wir sehen Trümmer aber auch neu errichtete Steinhäuser daneben. Unübersehbar aber weiterhin auf allen Freiflächen die winzigen Zeltbehausungen.  

Am Nachmittag kommen wir außerhalb von Jacmel an der Baustelle des Kinderheimes mit Berufsförderstätten an. Der Strand liegt keinen Kilometer entfernt. Die erste Decke des Untergeschoßes wurde kürzlich eingezogen, d.h. mit vielen Mitarbeitern wurde der Beton mit der Hand in die Schalung gegossen. Am Nachmittag, an dem wir ankommen, werden noch Schalungen für Stützpfeiler eingezogen, die für die Räume von Speisesaal und Küche benötigt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

19.08.2013
Eigene Stromversorgung noch schwieriger als erwartet
Die Solaranlage ist montiert

Bei uns in Deutschland ist das wohl ein wenig einfacher. Angebote werden eingeholt, ein Auftrag wird erteilt und dann kann es in der Regel losgehen und in kürzester Zeit ist dann alles fertig. Nicht so auf Haiti: Hier gehen die Uhren anders. Die ersten Planungen für eine Solaranlage für das Bildungszentrum begannen bereits Anfang des Jahres. Mit der Anlage soll endlich die Unabhängigkeit der Häuser vom staatlichen Stromnetz vorgenommen werden. Durch die ständigen Stromausfälle war ein geregeltes Schul- und Internatsleben nicht immer möglich.

Der Wunsch zum Bau einer Solaranlage bestand eigentlich schon bei den ersten Planungen des Bildungszentrums vor drei Jahren. Was fehlte, waren nicht nur die finanziellen Mittel, sondern auch die Voraussetzungen des Umfeldes. Das Erdbeben hatte auf Haiti die Infrastruktur nahezu lahm gelegt, kaum einer dachte an eine Solaranlage, geschweige denn, dass es vor Ort Anbieter dafür gab.

Inzwischen ist das ein wenig anders, wenn auch immer noch etwas kompliziert. Jean-Marc Roy, verantwortlich vor Ort für die Bauausführungen am Bildungszentrum, ließ sich von zwei haitianischen Anbietern Angebote für eine Solaranlage geben. Ohne Vorauszahlung von 75 Prozent des Kaufpreises in US-Dollar war eine Besichtigung vorab durch keine der Firmen möglich. Nachdem LVM Helfen verbindet Menschen e.V. (HvM) nach Haiti signalisierte, auch die Kosten für die Solaranlage zu übernehmen, konnte einer Firma endlich ein Auftrag erteilt werden.  

Die Firma Green Energy Haiti war nun zweimal in Jacmel im Bildungszentrum vor Ort, um die Installation vorzunehmen. Voraus ging eine Zahlung von 30.000 US-Dollar, was umgerechnet einer Summe von 22 505 Euro entspricht. Natürlich war sich HvM bewusst, dass die Lieferung einer Solaranlage aus Deutschland erheblich billiger sein könnte. Aber wäre sie da angekommen, wo sie hinsollte? Und machte es Sinn, keine Finanzierung der Solaranlage in Erwägung zu ziehen, weil schon viel für den Aufbau des Bildungszentrums selbst gespendet wurde?  


21.11.2012

Den Ball haben sie schon

Symbolischer Ballwurf: Ulrich Scheffer (rechts) übergibt eine Spende für den Fußballplatz an Pater Roy. Wirbelsturm „Isaac“ im September konnte dem Bildungszentrum nahe der Stadt Jamel auf Haiti nichts anhaben. In Mitleidenschaft gezogen wurden allerdings die gerade angelegten Außenanlagen. Zahlreiche Palmen und Bananenstauden wurden überschwemmt und müssen nun neu angepflanzt werden.

Doch gehen die Mädchen und Jungen mit Zuversicht an die Neuplanung, denn jetzt soll es auch einen Fußballplatz auf dem Gelände des Bildungszentrums geben. Möglich gemacht hat dies eine Spende durch „LVM Helfen verbindet Menschen e. V.“-Vorstandsmitglied Ulrich Scheffer. Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum wünschte er sich keine Präsente, sondern Spenden für die Anlage eines Fußballplatzes.

„Wo junge Menschen sind, da wird auch Fußball gespielt“, stellt er bei der Übergabe seiner Spende an Pater Roy fest. Dieser sorgt auf Haiti nun dafür, dass ein schöner Platz angelegt wird. Ob Fußball dann auch auf dem Unterrichtsplan stehen wird, steht allerdings noch nicht fest.

Nur eines kann Pater Roy bestätigen: „Fußball wurde am Bildungszentrum schon immer gespielt, denn einen Ball haben die schon!“ Was fehlte, war ein guter Platz. Das wird sich nun ändern.


19.09.2012

Ein Modell nimmt Formen an

Stolz hält der Vorstand des Vereins das Modell in Händen (v.l.n.r.): Peter Amico, Alexander Pöter, Ruth Schulze Köhling, Ulrich Scheffer und Vorsitzender Helmut Arz.

Nicht jeder kann sich einen Eindruck davon machen, wenn stolz Vereinsmitglieder vom Bildungszentrum mit Waisenhaus nahe der Stadt Jacmel auf der Insel Haiti erzählen, das mit Spenden des Vereins errichtet wurde. Mit Hilfe befreundeter Architekten entsteht derzeit in deren Freizeit ein kleines Modell der Anlage. Den Rohzustand konnte der Vorstand des Vereins "LVM Helfen verbindet Menschen e. V." jetzt schon einmal anschauen. Versehen wird das Ganze noch mit Farbe, künstlichen Bäumen und Erläuterungen. Auf den "Thementagen" des Vereins im November wird das fertige Modell der Öffentlichkeit gezeigt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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